Brennen für die Aufgabe — das Erbe des Rolf Seeliger
Rolf Seeliger gehört zu jenen Trainerpersönlichkeiten, deren Karriere nicht geradlinig verlief, sondern durch Brüche, Neuanfänge und eine ungebrochene Leidenschaft für den Fechtsport geprägt wurde. Seine Geschichte ist zugleich ein Stück Sportgeschichte — von der DDR über das wiedervereinigte Deutschland bis in die Schweiz.
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Rolf Seeliger |
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Ehemaliger - Cheftrainer — Züricher Fechtclub |
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Ausbildung: Studium der Sportwissenschaften; Fachrichtung Pädagogik mit Abschluss zum Diplomsportlehrer |
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Lizenzen / Zertifikate: A-Trainerlizenz (BRD) Experte J&S (SUI) |
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Nationale Erfahrungen: DDR-Nationaltrainer (Junioren); Landestrainer Baden-Württemberg am OSP Tauberbischofsheim (Bundestrainer Junioren) |
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Beim ZFC seit: 1997 |
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Erfolge: Qualifikation von Fechtern, welche an Olympischen Spielen, WM u. EM sich in den top ten positioniert haben |
Begonnen hat alles im Modernen Fünfkampf. Als Leistungssportler trainierte Rolf in mehreren Disziplinen gleichzeitig, bevor er sich auf das Fechten konzentrierte. Mit etwa 25 Jahren beendete er seine aktive Karriere und begann ein Studium der Sportwissenschaft in Leipzig — eine Ausbildung, die seine spätere Arbeit als Trainer methodisch und menschlich prägen sollte. Die Zeit in Leipzig war keine Pause vom Sport, sondern deren Verlängerung auf einer anderen Ebene: Parallel zum Studium übernahm er bereits Trainingsgruppen, arbeitete mit Junioren und entwickelte ein tiefes Verständnis dafür, wie Talente langfristig gefördert werden.
Nach Abschluss des Studiums 1980 stieg er in die nationale Trainerstruktur der DDR auf — zunächst als Junioren-Nationaltrainer, später als Assistenztrainer des Nationaltrainers. Es war eine Zeit grosser sportpolitischer Umbrüche: der Boykott der Olympischen Spiele 1980 in Moskau, die Gegenmassnahmen 1984 in Los Angeles, finanzielle Einschnitte im Fechtsport. Rolf erlebte diese Verwerfungen aus nächster Nähe und lernte früh, unter wechselnden und oft schwierigen Bedingungen zu arbeiten.
Mit der Wende kam die Neuorientierung. Der entscheidende Schritt kam durch Emil Beck — den damals erfolgreichsten Fechttrainer der Bundesrepublik — der Rolf 1991 zu sich holte.
Beck war nicht nur ein herausragender Fachmann, sondern auch ein Netzwerker, der den Fechtsport mit Wirtschaft und Politik zu verbinden wusste. Diese Erfahrung hinterliess bei Rolf bleibende Spuren: Sport allein reicht nicht. Wer einen Verein aufbauen will, muss auch die Welt ausserhalb der Fechtbahn verstehen.
Als Landestrainer in Baden-Württemberg am Olympiastützpunkt übernahm er eine der renommiertesten Stellen im deutschen Fechtsport — eine Position, die er selbst mit Bayern München im Fussball vergleicht: strukturiert, gut ausgestattet, mit hohem Anspruch.
Doch Rolf suchte mehr als Stabilität. Er suchte Gestaltungsspielraum.
1997 kam der Anruf aus Zürich. Was er vorfand, war ein Verein am Tiefpunkt: die Kasse leer, die Mitgliederbasis unübersichtlich, Strukturen kaum vorhanden. Gemeinsam mit engagierten Vereinsmitgliedern sowie mit Maître Mullers Unterstützung arbeitete er daran, dem ZFC ein tragfähiges Fundament zu geben.
Das sichtbarste Ergebnis dieser Aufbauarbeit war das Degenprojekt, welches von der damaligen Präsidentin Yvonne Wewerka initiiert wurde: die strategische Ausrichtung des Vereins weg vom Florett hin zum Degen. Mit gezielter Anschubfinanzierung — unter anderem 50 geschenkte Degen und Körperkabel — konnten talentierte Florettfechter ohne finanzielle Hürden wechseln. Es dauerte rund zehn Jahre bis echte Trainingsgruppen entstanden. Aber die Geduld zahlte sich aus: Der ZFC wurde zur führenden Kraft, insbesondere in den Schweizer Mannschaftswettbewerben. Aus diesem Potential haben sich Athleten entwickelt, welche später mit dem Schweizer Nationalteam an Olympischen Spielen vertreten waren sowie bei Welt- und Europameisterschaften Medaillen erkämpft haben.
Rolf Seeliger hat den ZFC über fast drei Jahrzehnte mitgeprägt. Seine Überzeugung: nicht Stundenzählen, sondern Brennen für die Aufgabe. Diese Haltung ist sein eigentliches Vermächtnis an den Verein.
Heute, darf der ZFC auf ein lebendiges Erbe blicken: Die Strukturen, die Rolf über Jahrzehnte aufgebaut hat, tragen nach wie vor Früchte. Neue Trainerinnen und Trainer führen seine methodische Arbeit weiter, und eine Generation von Athletinnen und Athleten entwickelt sich auf dem Fundament, das er gelegt hat — im Training, in der Vereinskultur, im Anspruch an sich selbst. Was einst als Neuanfang in einem Verein am Tiefpunkt begann, ist heute gelebte Kontinuität. In Anerkennung seines ausserordentlichen Einsatzes und seiner prägenden Rolle für den Zürcher Fechtclub wurde Rolf Seeliger im Jahr 2023 zum Ehrenmitglied des ZFC ernannt — eine Würdigung, die nicht nur seine Verdienste anerkennt, sondern auch die tiefe Verbundenheit zwischen ihm und dem Verein zum Ausdruck bringt, der ihm über all die Jahre ans Herz gewachsen ist.